A-8081 Heiligenkreuz a. W., Friedensplatz 1, Tel: +43 (0)3135/82625

Spirituelle Schwerpunkte


Das Haus der Stille gibt es seit 1979. Wir haben uns von Anfang an darum bemüht, dass das Haus nicht diözesan-neutral wird, sondern gemäß der Not der Zeit einen „spezifischen Hausgeruch“ bekommt. So versuchen wir folgende Schwerpunkte zu leben.
  • Meditation und Stille

  • Bibel

  • Franziskanische Spiritualität

  • Friedensarbeit


Vom Haus der Stille als spirituellem Zentrum sollen Impulse ausgehen, die zu menschlicher und religiöser Vertiefung führen.(aus dem Leitbild unserer Franziskanischen Gemeinschaft)

Meditation und Stille

Meditation führt zur Entschleunigung des Lebens. Unser erster Auftrag ist es, den Menschen, die zu uns kommen, einen Raum der Stille und der Geborgenheit anzubieten. Unser Leitwort ist: „Geh in die Stille und du wirst dich dort selbst finden; geh zu dir und du wird Gott finden; geh zu Gott und du wirst dich mitten im Leben wieder finden.“

Wie schaut dies konkret aus: Unser Tagesablauf ist eingebettet in die drei Gebetszeiten mit viel Zeit der Stille morgens, mittags und abends. Gemeinsame Zeiten der Stille und Meditationen helfen uns dabei. Wir meiden vieles, das uns von uns selbst ablenkt (z.B. haben wir keine Fernsehmöglichkeit).

Ziel ist die Versöhnung mit sich selbst, mit den geschenkten Fähigkeiten, aber auch die Versöhnung mit den eigenen Schwächen und Begrenztheiten. Dazu braucht jede/r viel Geduld mit sich selbst. Nur langsam werde ich innerlich so frei, um mich von den Erwartungen und Ansprüchen von mir selbst und meiner Umwelt zu lösen. Nur wer mit sich selbst ins Reine kommt, kann auch mit anderen versöhnt leben.
In der Stille wird der Mensch aber auch empfänglich für die Begegnung mit Gott, der will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben.


Bibelarbeit

Das Wort Gottes ist die Nahrung des Christen. Aber die meisten Menschen sind in diesem Bereich unterernährt. Es ist schmerzlich zu sehen, wie wenig die Katholiken die Bibel wirklich kennen und sich ernstlich mit ihr auseinandersetzen. Hier können wir viel von unseren evangelischen Schwestern und Brüdern lernen. Oft geht es bei uns Katholiken mehr um wissenschaftliche Studien und intellektuelle Spiele, als um Konfrontation mit dem eigenen Leben. Es ist immer der ganze Mensch gefragt. Eine Religiosität, in der nur die Gefühle zählen, führt leicht zum Fanatismus, aber andererseits wird eine Religiosität, die nur die Verstandeskräfte einsetzt, bald trocken und leer; sie verhilft nicht zum Leben.

Das Mühen um einen tieferen Zugang zur Hl. Schrift führt uns unweigerlich zum Menschen. Weltnähe und Weltzugewandtheit sind Kennzeichen einer gesunden Spiritualität. Gott ruft immer den einzelnen Menschen. Ich kann mich nicht hinter dem "Wir" verschanzen. Ich habe Verantwortung. Freilich brauchen wir immer auch andere, die den Weg mit uns gehen, die uns bestärken und korrigieren. Kennzeichnend für uns Christen muss dabei wohl das Vertrauen in Gott als Ursprung und Ziel unseres Lebens sein.

Neben verschiedenen biblischen Kursangeboten (z.B. Bibelschule im Alltag, Bibliodrama, Werkkurse Biblische Figuren), wöchtenlichen Bibelgesprächen, unserer Liturgie und biblisch orientierter Predigt bieten wir immer wieder biblische Reisen ins Heilige Land, in die biblischen Wüsten und auf den Spuren des Paulus usw. an.


Franziskanische Spiritualität

Gerade in einer Zeit, in der an allen Ecken und Enden die Resignation um sich greift und eine restaurative Welle in Politik und Kirche in Gang kommt, ist das franziskanische Charisma mit seiner Weite und Offenheit besonders wichtig. Franziskus hat nach dem Vorbild Jesu freiwillig den Weg nach unten gewählt. Eine Kirche, die vorrangig den Weg nach oben sucht, den Weg der Macht, die glaubt, das Evangelium mit restriktiven Maßnahmen (Ausschluss von Sakramenten, Rede- und Schreibverbot für unliebsame Kritiker u. ä.) durchsetzen zu müssen, ist in Gefahr, Jesu Auftrag zu verraten.

Franziskus ließ sich seine Visionen vom Leben nach dem Evangelium nicht streitig machen – weder von seinem Vater, noch von der Amtskirche, noch von seinen Brüdern. Er lehrt uns, auf die Stimme in uns zu hören und das wenige, das wir vom Evangelium begriffen haben, zu leben.

Die Franziskanische Spiritualität führt uns in eine Weltoffenheit, die keinen Menschen ausschließt. So gehört die Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Kulturen zum wesentlichen Bestandteil unseres Lebens und unseres Dienstes an den Menschen.

Gerne begleiten wir auch Gruppen nach Assisi, bieten verschiedene (Exerzitein-)Kurse zu Franziskus und in den letzten Jahren vermehrt auch zu Klara von Assisi an, eine "Lichtgestalt", die als starke Frau in ihrer Zeit und Welt viel zu lange im Schatten von Franziskus stand.


Friedensarbeit

Offen zu sein für die Zeichen der Zeit war von Anfang an ein wesentliches Anliegen für das Haus der Stille und die Menschen, die dahinter stehen. So kam es zur Gründung des Hauses zu einer Zeit, als immer mehr Menschen ein Gegengewicht zur Rasanz und zum Druck einer leistungsorientierten Gesellschaft suchten. Viele schweiften bei dieser Suche in weite Fernen. Dieser Sehnsucht hier in Österreich einen Raum zu geben, war der Ansatzpunkt für die Vereinsgründung im Jahr 1977. 15 Jahre später gab es plötzlich viele ähnlich orientierte Häuser im deutschsprachigen Raum.

Kontakte nach Osteuropa, u.a. Jugendbegegnungen mit Gruppen aus Hercegowina noch zur Zeit des Kommunismus, waren uns von Anfang an wichtig. Seit der Öffnung des Ostens besteht ein permanenter Kontakt mit Rumänien - eine Frucht davon ist unser Sozialprojekt für Rumänien. Durch regelmäßige Studienfahrten nach Osteuropa versuchen wir selbst, unsere geistigen Horizonte zu weiten und weitere Kontakte zu knüpfen. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Gästen aus verschiedensten Ländern war unser Haus immer multikulturell geprägt. Oft kam es dabei auch zu Begegnungen und längerem Zusammenleben mit Menschen anderer Religionen.

Als sich im Jahr 2006 das 20jährige Jubiläum des ersten großen interreligiösen Gebetstreffens in Assisi näherte und wir die Sorge hatten, dass dieses Ereignis von vielen gerne der Vergessenheit preisgegeben wäre, beschlossen wir ein sichtbares Zeichen zu setzen: das Friedenszeichen der Religionen, das im September 2007 enthüllt wurde.

Es war uns aber klar, dass es nicht bei einem äußeren Zeichen bleiben konnte. So war der nächste Schritt die Erschließung eines kleines Friedensraumes, der der Information und Vernetzung verschiedenster Friedensinitativen dient. Zusätzlich versuchen wir neben unserer gelebten Dialogpraxis auch in unsere Programmgestaltung und in unsere Liturgie die Aspekte des Dialogs der Religionen und der Friedensbemühungen in vielen Konfliktsituationen der Erde aufzugreifen. Schließlich kommen wir auch in Österreich immer mehr in die Situation, dass wir uns mit anderen Kulturen und Religionen auseinandersetzen und Wege für eine gelingende gemeinsame Gestaltung des Lebens suchen müssen.

So war "Friedensarbeit" für uns von Anfang an präsent, hat aber in den letzten Jahren zunehmend konkrete Gestalt bekommen.


DE EN FR HU HR RO RU