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Corona-Alltag im Haus der Stille

Corona-Alltag im Haus der Stille

Als sich Mitte März die ersten Beschränkungen zur Reduktion und Verlangsamung der Covid-Infektionen abzeichneten, war uns sofort klar, dass uns das als Haus der Stille in vollem Maß treffen würde. Denn als Begegnungsort von Menschen, die aus verschiedenen Regionen zu uns kommen und wieder zurück nach Hause fahren, wäre unser Haus ein vorzüglicher „Umschlagplatz“ für das Virus.

Das Praxiswochenende Meditation vom 13. bis 15. März 2020 war der letzte Kurs, der noch stattfinden konnte. Am Sonntag (15.3.) verließen auch die letzten Gäste das Haus. Seit diesem Tag ist das Haus der Stille für den Gäste- und Kursbetrieb und auch für öffentliche Gottesdienste geschlossen. Als Haus, das sich bemühte, immer offen zu sein für viele Menschen, macht uns diese Situation sehr betroffen. Aber die Forderung nach Einschränkung und größtmöglicher Reduktion physischer menschlicher Kontakte ist in der aktuellen Situation ein Gebot der Vernunft und auch der Nächstenliebe.

Dennoch leben hier und im Haus Emmaus Menschen: Unsere beiden Pallottiner Sascha und Edward, dazu Marion, Klaus und unsere Flüchtlinge Mohammed, Mustafa und Aimal teilen sich das Haus Emmaus; Waltraud und die beiden Volontärinnen Claudia und Hermine wohnen im Haus der Stille. Dazu kommen noch Maria und Hans aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die unsere Gebetsgemeinschaft bereichern und ihren Dienst im Haus verrichten. Am Dienstag und Donnerstag Vormittag ist unser Büro besetzt, wechselweise von Grete und Sabine. Darüber hinaus bauen unsere Angestellten derzeit Überstunden und Resturlaub ab. Ab Mai hoffen wir dann, alle Angestellten auf Kurzarbeit ummelden zu können. Auch das Arbeitsteam von alpha nova kann derzeit nicht ins Haus kommen.

In diesen Tagen haben wir begonnen, das Haus und alle Zimmer gründlich zu putzen, sodass – wenn es soweit ist – jederzeit wieder Gäste einziehen können. Sascha übernimmt regelmäßige Dienste bei der Seelsorge-Hotline „Du bist nicht allein“ unserer Diözese. Über unsere Homepage veröffentlichen wir tägliche Impulse und Elemente aus unserem Gemeinschaftsgebet und bleiben so verbunden mit Menschen, die zu Hause mit uns beten. Denn unser Tagesablauf ist nach wie vor strukturiert durch unsere gemeinsamen Gebets- und Essenszeiten.

Der deutlich entschleunigte Alltag im Haus und das Fehlen von Gästen eröffnen uns dabei Möglichkeiten, uns selbst als Gemeinschaft neu zu erleben.

Wir beginnen unseren Tag wie gewohnt mit einem Morgenlob. Anstelle der Mittagsmeditation haben wir uns bereits einige Male im Labyrinth im Garten der Stille zu Qigong-Übungen getroffen. Abends feiern wir im kleinen Kreis um den Altar versammelt Eucharistie. Wir wissen, dass das ein Privileg ist in einer Zeit, in der manche diese Möglichkeiten gemeinsamen Betens und Feierns schmerzlich vermissen. Stellvertretend wissen wir uns dabei mit vielen Menschen verbunden, die an der aktuellen Situation leiden.

Gelegentlich unterstützt durch eine unserer Köchinnen übernimmt jeden Tag jemand aus unserem Kreis das Kochen für die kleine Gemeinschaft – entweder im Haus Emmaus oder im Haus der Stille. Ein besonderes Highlight war es, als wir rund um das Haus Kräuter gesammelt und zu einem wundervollen Menü verarbeitet haben. Auch zwei Geburtstage konnten wir in dieser Runde bereits feiern: den 80. von Waltraud und den 40. von Mohammed.

Wir versammeln uns regelmäßig zu einer „Lagebesprechung“ für unsere Alltagsgestaltung. Gemeinsam überlegen wir, wie wir Ostern feiern werden. In dieser Zeit wollen wir auch an der Erneuerung unserer Gebetsmappe weiterarbeiten. Im Garten gibt es manches zu tun (Maulwurfshügel einebnen, das Glashaus für die Bepflanzung vorbereiten…). Für die Osterspeisensegnung nähen wir für die Leute aus der Nachbarschaft kleine Sackerln mit Salz, die sie beim Spazierengehen im Carport abholen können, um zu Hause in den Familien selbst ihre Osterspeisen zu segnen. Und nun haben wir den aktuellen Trend aufgegriffen, Gesichtsmasken aus Stoff zu nähen, um einerseits den Bedarf abdecken zu helfen und andererseits mit dem Erlös vielleicht doch auch ein wenig Geld in dieser Krisenzeit ins Haus zu bringen (mehr dazu in einem eigenen Beitrag).

Und dann ist da noch unser täglich wachsender „Kindergarten“: 14 kleine Lämmer tummeln sich mittlerweile auf der Weide vor unserem Haus, die bewundert und gehätschelt werden wollen. Alle sind wohlauf, nur eines muss mit der Flasche ernährt werden. Mohammed erweist sich als fürsorglicher Mutterersatz.


Wenn da nicht noch die wirtschaftliche Seite wäre, ließe sich so ein entschleunigtes und reduziertes Gemeinschaftsleben wohl längere Zeit genießen. Doch aus wirtschaftlicher Sicht ist die Situation in der Tat katastrophal für uns. Wie sollen wir ein, zwei, drei Monate – wer weiß, wie lange wirklich? – ohne einzige Einnahme (außer spärlichem Versand unserer Ladenprodukte) überleben? Denn die Betriebskosten und Gehälter laufen weiter, selbst wenn es hoffentlich möglich wird, auf eine geförderte Kurzarbeit umzustellen. Die Spenden sind schon zuvor deutlich zurückgegangen, und der Versuch, die finanzielle Anspannung durch eine notwendige Anpassung der Aufenthaltskosten ein wenig abzufedern, greift ins Leere, solange unser Haus leer bleibt. Mit einer Wiederaufnahme des Kursbetriebes werden wir vor dem Sommer realistischerweise nicht mehr rechnen können, und auch die ersten Gäste – wenn es wieder möglich wird – werden wohl zunächst spärlich kommen.

Dass die Welt nach der Corona-Krise eine andere sein wird, dringt inzwischen langsam ins Bewusstsein vieler Menschen ein. Aber welchen Platz wird das Haus der Stille in dieser Welt nach Corona haben? Wie viele werden in der Krise entdecken, dass es über das Materielle hinaus noch andere Werte gibt, für die das Haus der Stille schon seit Jahrzehnten steht? Oder werden die finanziellen und wirtschaftlichen Sorgen dieses „spirituelle Schlupfloch“ und „Einfallstor Gottes“ dann erst recht wieder überdecken? Auch das sind Fragen, die uns in diesen Tagen beschäftigen und unser Leben in der Reduktion nicht nur angenehm und entspannt machen.


In dieser eigenartigen Zeit, in der viele in eine gleichsam „kontemplative“ Situation gedrängt sind, während andere gleichzeitig über die Maßen herausgefordert sind und „aktiv“ sein müssen, wissen wir uns verbunden sowohl mit den Kontemplativen wie mit den Aktiven und versuchen, durch unser Da-Sein und So-Sein diese Zeit verantwortlich mitzutragen. Wie wohl alle hoffen auch wir, dass die behördlichen Maßnahmen die gewünschte Wirkung zeigen und bald wieder schrittweise zurückgenommen werden können und dass langfristig Mittel und Wege gefunden werden, mit dem Virus umzugehen und zu leben.

Wir wünschen uns sehr, uns bald wieder als einladendes und offenes Haus präsentieren zu können. Bis dahin aber: Bleib zu Hause, bleib mit deinen Lieben gesund - lass aber auch uns, bitte, nicht im Stich!

Deine Gemeinschaft im Haus der Stille

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AKTUELLE AUSSTELLUNG

Aktuelle Ausstellung

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"Wege/Wohin?"
Bilder zur Migration
von Friederike Schwab

Vernissage:
Donnerstag, 5. März 2020, 18.00 Uhr
Ausstellungseröffnung und Vorstellung des neuen Lyrikbandes der Künstlerin
Ort: Ganggalerie im Haus der Stille

Ausstellungsdauer: verlängert bis September 2020

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ANGEBOTE IM HAUS

Offene Tanzabende

Kreis- und Gruppentänze

TANZE – soviel du tanzen kannst,
TANZE – um Begeisterung für’s Leben wieder zu finden,
TANZE – um deine Seele zu erwecken, wenn sie schläft,
TANZE – um zu hoffen, zu vertrauen, zu glauben,zu lieben, zu heilen.

aktuelle Termine: Mittwoch, 19 bis 21 Uhr
siehe Kalender...

Leitung:
Hedi Mislik
ChoRa Kreistanzleiterin, Tanz- und Ausdruckspädagogin

Keine Anmeldung notwendig!

Beitrag: freiwillige Spende


WANDERUNGEN

Markusweg

Markusweg

Gemeinsame Begehung des Markusweges

auf Anfrage möglich
Mai bis September 2019

Wenn es unter den Gästen im Haus Interesse an einer gemeinsamen Begehung des Markuksweges gibt, wird jemand vom Haus diesen Weg begleiten.
Wenn jemand von auswärts dazukommen möchte, bitten wir um Anfrage, ob an diesem Samstag tatsächlich gegangen wird.

Nähere Informationen:
Haus der Stille Tel: +43 (0)3135 / 82625

Nach Vereinbarung stehen wir für Gruppen als BegleiterInnen für den Markus- und Ermutigungsweg zur Verfügung!


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