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Osterrückblick

Osterrückblick

Es war eine besondere, intensive und zugleich eigenartig zwiespältige Erfahrung: dieses Ostern 2020 im kleinen Kreis der Hausgemeinschaft - ohne Gäste, ohne große Feiergemeinde, ohne Ostertreffen. Einerseits eine sehr tiefe Erfahrung für die kleine Gemeinschaft, auch begleitet vom Bewusstsein der Verbundenheit mit vielen und der Stellvertretung für viele, die in diesem Jahr keine Möglichkeit hatten, den Höhepunkt des christlichen Feierns mit einer Gemeinde zu erleben.

Für uns war klar: Wir wollen als (mehr oder weniger) in einem gemeinsamen Haushalt lebende geistliche Familie, die sich auch in dieser Zeit des geschlossenen Hauses täglich zum gemeinsamen Essen und zu den Gebetszeiten trifft, Ostern feiern, wie wir es gewohnt sind. Denn wir haben es auch bei den großen Ostertreffen immer so verstanden: Wir gestalten und feiern Ostern nicht für andere, sondern so, wie wir es eben feiern wollen und freuen uns, wenn andere mit uns diese Erfahrung teilen und mit uns feiern wollen.

So haben wir uns auch in diesem Jahr an jedem der drei Tage zu einem morgendlichen Impuls getroffen, mit dem Klaus uns in diesen Tag begleitet hat. Danach haben wir gemeinsam die Liturgie dieses Tages besprochen und das, was dazu vorzubereiten war, aufgeteilt.

Gründonnerstag


An diesem Abend stand auch die Verbundenheit mit unseren jüdischen Geschwistern im Raum. Als Feste im Frühling liegen das christliche Osterfest und das jüdische Pessach, das ja den Ursprung auch von Osterrn bildet, meist zeitlich sehr nahe beieinander. In diesem Jahr war unser Gründonnerstag der Sederabend mit dem Pessachmahl als Auftakt des 8-tägigen jüdischen Festes. Nach dem Bericht der Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas war das Letzte Abendmahl Jesu ein solches Paschamahl. Die Lesung des Gründonnerstags hat das erste Paschamahl vor dem Auszug aus Ägypten und den Auftrag zur jährlichen Erinnerung zum Inhalt.
So hatte auch unser Abendmahl ein wenig den Charakter eines Paschamahles. Von Anfang an saßen wir um den gedeckten Tisch (Altar), auf dem ein Fladenbrot und ein Krug Wein mit 8 Gläsern bereitstanden. Vor dem gemeinsamen Mahl kam allerdings der "erzählende Teil" (Wortgottesdienst): die Erinnerung an das Mahl in Ägypten und an das letzte Abendmahl Jesu. Nach der Exodus-Lesung sangen wir das "Daj dajenu" (Es wäre genug gewesen) aus der jüdischen Sederfeier. Jeder soll sich vorstellen, so sagen die Juden, als sei er selbst mit aus Ägypten ausgezogen, und je mehr jemand an diesem Abend davon erzählen kann, desto besser. So haben auch wir uns gegenseitig erzählt, wie wir Gottes gnädiges und befreiendes Wirken in unserem Leben bereits erfahren haben. So mit dem Wort Gottes, mit unseren eigenen Erfahrungen und mit dem Auftrag Jesu "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe" gestärkt, haben wir die Eucharistie gefeiert: den im Kelch und in den Gläsern gewandelten Wein und das gebrochene Brot geteilt.

Nach diesem Kommunionmahl sind wir Jesus in die Nacht gefolgt - auf seinem Weg zum Ölberg. Das Allerheiligste wurde, wie jedes Jahr, in den Raum Franziskus übertragen, wo wir nach einer kurzen Ölbergandacht wechselweise bis Mitternacht im stillen Gebet verharrten: "Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet." Zurück blieb die leere, von allem Schmuck entblößte Kirche.

Karfreitag


So wie die Liturgie des Gründonnerstags in Stille endete, so begann die Karfreitagsliturgie zur Todesstunde Jesu um 15 Uhr mit einer Gebetsstille, auf die unmittelbar die Lesungen und die Passion folgten. Wie schon im letzten Jahr hatten wir auch heuer am Palmsonntag auf die Lesung der Passion verzichtet und dafür am Karfreitag statt der jährlich wiederkehrenden Johannes-Passion die für den Palmsonntag vorgesehene Passion nach Matthäus verwendet, aufgeteilt auf drei Lektor*innen und mehrfach unterbrochen durch Gesänge.

Wie schon seit langen Jahren haben wir auch heuer das Leidenskreuz, das im Vorraum unserer Kapelle hängt (in der Kapelle selbst ist ja ständig das Auferstehungskreuz von San Damiano präsent), auf ein großes, aus schweren alten Holzbalken gezimmertes Kreuz gebunden und so dem Leiden Jesu an diesem Tag "besonderes Gewicht" gegeben.
Die Kreuzverehrung, die bei uns üblicherweise sehr lange dauert, bis jede*r einzelne zu seiner/ihrer persönlichen Begegnung und Gebetsstille vor dem Kreuz Jesu gefunden hat, war diesmal entsprechend kürzer.

Im Angesicht des Leidens Jesu haben wir die großen Fürbitten - in diesem Jahr ergänzt durch eine Bitte für alle, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen sind - vor Gott gebracht. Zu jeder Bitte wurde eine Kerze auf dem siebenarmigen Leuchter entzündet.

Nach dem zusammenfassenden Vaterunser und einem Schlussgebt endete die Liturgie in Stille, wie sie begonnen hatte. Ohne feierlichen Anfang und ohne Ende steht sie in der Mitte der Feier dieser heiligen drei Tage. Das Leid und der Tod Jesu gehören zentral dazu, sind aber noch nicht das Ende.

Osternacht


Seit den Anfangsjahren unseres Hauses sind wir es gewohnt, den ersten Teil der Osternacht mit der Segnung des Feuers, dem Entzünden der Osterkerze und den alttestamentlichen Lesungen im Garten zu gestalten und erst danach in der Kirche weiterzufeiern.
Für dieses Jahr hatten wir bereits extra eine neue, große Feuerschale besorgt, mit der wir (nach der positiven Erfahrung des letzten Jahres) künftig das Osterfeuer beim Friedenszeichen entfachen wollen. Diese Schale wollten wir einerseits doch einweihen, andererseits war uns der Friedensplatz dafür aber doch zu "öffentlich". Auch sollte niemand allein als Feuerwache zurückbleiben müssen, während die anderen durch den Garten gezogen wären. So versammelten wir uns diesmal in der Gebetslaube in unserem Garten der Stille, wo wir in der neuen Feuerschale ein sehr kleines Osterfeuer entfachten. Wir blieben dann für den Lesungsteil in der Laube und zogen nach einer knappe Stunde für den weiteren Verlauf der Feier in die Kirche.

Die österreichischen Bischöfe haben entschieden, dass die heurige Osternachtsfeier "unvollendet" bleiben sollte. Die Segnung des Wassers und die Besprengung der Gemeinde in Erinnerung an die Taufe sollen erst dann stattfinden, wenn sich die Gemeinde erstmals nach der Krise wieder zu einem öffentlichen Gottesdienst versammeln kann. Wir finden diese Entscheidung sehr gut. Denn spätstens bei der Osternacht wurde auch uns das Fehlen der großen Feiergemeinschaft schmerzlich bewusst. So intensiv das Feiern am Gründonnerstag in der kleinen Gemeinschaft auch war: in der Osternacht fehlten die vielen, die sich sonst in verschiedener Weise in die Liturgie einbringen, es fehlten das Festorchester und der volle Gesang. Auch wenn wir "stellvertretend" für viele gefeiert haben: die feiernde Gemeinde lässt sich nicht wirklich vertreten.

So gab es dann auch nach dem feierlichen "Gehet hin in Frieden, Halleluja, Halleluja!" diesmal keine große gemeinsame Agape, sondern ein bescheidenes Ostermahl der kleinen Hausgemeinschaft zu mitternächtlicher Stunde.

Als kleines Zeichen der Verbundenheit mit unseren Nachbarn, die am Vormittag des Karsamstag traditionsgemäß sehr zahlreich zur Speisensegnung in unsere Franziskuskapelle strömen, haben wir in diesem Jahr während der Kartage kleine Stoffsäckchen mit gesegnetem Salz bei unseren Carports aufgelegt mit einem Gebet für die Osterspeisensegnung zu Hause in den Familien. Diese konnten beim Spazierengehen mitgenommen werden. Für alle Spenden ein Vergelt's Gott!

Auch unsere Initiative, im Haus der Stille Stoffmasken als waschbaren und wiederverwendbaren Mund-Nasen-Schutz zu nähen, stieß auf rege Nachfrage. Mehr als 200 Masken konnten noch vor Ostern verschickt werden, und wir nähen immer noch weiter.

So warten wir und hoffen, unser Haus und unsere Kapelle bald wieder für Gäste öffnen zu können.

Hans Waltersdorfer

Auf unserer Facebook-Seite haben wir täglich Bilder von unseren Feiern geteilt. Hier seien sie noch einmal zusammengefasst.

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Kreis- und Gruppentänze

TANZE – soviel du tanzen kannst,
TANZE – um Begeisterung für’s Leben wieder zu finden,
TANZE – um deine Seele zu erwecken, wenn sie schläft,
TANZE – um zu hoffen, zu vertrauen, zu glauben,zu lieben, zu heilen.

aktuelle Termine: Mittwoch, 19 bis 21 Uhr
siehe Kalender...

Leitung:
Hedi Mislik
ChoRa Kreistanzleiterin, Tanz- und Ausdruckspädagogin

Keine Anmeldung notwendig!

Beitrag: freiwillige Spende


WANDERUNGEN

Markusweg

Markusweg

Gemeinsame Begehung des Markusweges

auf Anfrage möglich
Mai bis September 2019

Wenn es unter den Gästen im Haus Interesse an einer gemeinsamen Begehung des Markuksweges gibt, wird jemand vom Haus diesen Weg begleiten.
Wenn jemand von auswärts dazukommen möchte, bitten wir um Anfrage, ob an diesem Samstag tatsächlich gegangen wird.

Nähere Informationen:
Haus der Stille Tel: +43 (0)3135 / 82625

Nach Vereinbarung stehen wir für Gruppen als BegleiterInnen für den Markus- und Ermutigungsweg zur Verfügung!


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