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Mit Flüchtlingen leben

Mit Flüchtlingen leben

Abends, zwischen sieben und neun Uhr wird es in unserem Haus Emmaus, wo einige von der Gemeinschaft und „unsere“ acht Asylsuchenden leben, ganz lebendig. Es riecht nach guten Speisen, somalische, kurdische, englische, arabische, französische und auch deutsche Gerüche und Wörter mischen sich bunt. Eingeladen werden wir immer und besonders bedient.

Hier wohnen jetzt Maria, Christine, P. Karl aus Österreich, Colette aus Frankreich, Abdi, Mahamed, Aziz, Mohammed, Fahad und Dahir aus Somalia, Augustine aus Nigeria und Fares aus Kurdistan. Irgendeine gemeinsame Sprache findet sich immer, um das Leben zur Sprache zu bringen. Wir werden genauso gefragt, wie es um uns steht, wie wir behutsam einladen, mitzuteilen, was heute los war. Hinter der fröhlichen Fassade und den unerwarteten Witzen - da ist Aziz Meister - stecken enttäuschte Hoffnungen, seelische und körperliche Wunden aus der Zeit vorher und aus der Flucht, Bemühen, an eine Zukunft zu glauben trotz allem, und der Versuch, der schwierigen deutschen Sprache so schnell wie möglich mächtig zu werden: Am Anfang ist es schwer sich zu konzentrieren wegen der Erlebnisse und nach drei, vier Jahren wegen der schleichenden Wut gegen diese Ohnmacht: ich darf nicht arbeiten, keine Berufsausbildung machen, ich darf nicht selber fahren, ich finde keine Sprachkurse, die ich selber finanzieren könnte, ich darf nicht spontan länger als zwei Tage vom Quartier weg sein und ich warte jeden Tag auf den ersten Brief, der dann das vielleicht erlösende, aber jedenfalls gefürchtete „Interview“ ankündigt.

Aus der verlassenen Heimat kommen per Internet oder Handy die Nachrichten - je nachdem: die IS ist 10 km vom Heimatdorf entfernt, und der Vater bangt besonders um die Töchter; die Mutter muss ins Spital, und es kostet sowieso zuviel, die restliche Familie meldet aus dem Jemen, wohin sie vor drei Jahren flüchten musste, dass die Bomben gerade nicht auf die eigene Wohnung explodiert sind; oder im letzten Moment hat eine Schwester mit ihrer Familie einen Weg aus dem Land organisieren können, vielleicht Ägypten oder Türkei oder nach Dschibuti. Manche leben dort in Lagern, andere schaffen es als anerkannte Flüchtlinge zu leben. Sehr oft bedrohen die Leute, denen unsere Flüchtlinge gerade noch entfliehen konnten, den Rest der dort gebliebenen Familie oder ermordeten tatsächlich jemanden.

„Wer Menschen, die so verzweifelt sind, dass ihnen das Ertrinken ein ebenso großes Risiko ist wie das Verbleiben in ihrem Land, zu „Wirtschaftsflüchtlingen“ abstempelt, hat nicht begriffen, worum es geht: ums Überleben... Wer da einschifft, hat zumeist Terror, Hunger und Krieg erlebt und hofft auf ein besseres Leben für sich und seine Kinder.“ (Standard, 17. Mai 2015, J. Rabinowich). Davon sprechen sie auch nicht viel und nur im vertrauten Kreis zu späten Stunden. Wer erzählt gern, dass er gedemütigt worden ist, von Polizisten in Italien oder Bulgarien geschlagen, beraubt, ausgelacht, ins Gefängnis gesteckt worden ist? Wer da noch menschlich spürt, weiß auch, warum die meisten beim ersten polizeilichen Interview in Österreich die ganze Geschichte verharmlosen, Daten verwechseln, nicht immer ganz logisch erzählen! Dazu kommt die Übersetzung von einem mehr oder weniger kundigen Dolmetscher, nicht immer in der Muttersprache, und die Forderung, nach einer schnellen mündlichen Übersetzung das deutsche Protokoll zu unterschreiben. Aber dieses Interview hat für das ganze Asylverfahren Gewicht. Da sie nie im Leben die Absicht hatten, nach Österreich zu kommen, können sie ohne Ausnahme auch soviel Deutsch wie wir z.B. Somalisch. Stellen Sie sich fünf Minuten lang vor, Sie sind plötzlich auf einer Polizeistation in Somalia!

Alle in der Gemeinschaft, aber besonders zwei bis drei, sind teilweise fast nur mit unseren acht lieben Asylsuchenden beschäftigt: zu Ärzten, Spitälern fahren, Beratungen, zu Interviews, Ämtern begleiten, Deutschkurse organisieren, Deutschstunden selber geben, unterstützen, übersetzen, aber auch bei Ausflügen, Konzerten mitnehmen, usw...

Sie sind eben Teil unserer Gemeinschaft, in aller Freiheit, soviel sie wollen, und da sie im Quartier in einem Mindestmaß arbeiten dürfen, kommen sie viel in Kontakt mit unseren Gästen, was beiden Seiten gut tut! Ich möchte selber nicht ohne diese Menschen leben, die Ausflug mit der Hausgemeinschaft ins Stift Rein und in die Lurgrotte. Die Geburtstage werden mit unseren Asylwerbern genauso gefeiert wie mit jedem anderen Mitglied der Gemeinschaft und der MitarbeiterInnen.

Hat nicht die EU den Friedenspreis bekommen? Ja, den verdienen wahrscheinlich die Menschen in Sizilien, Italien oder anderswo, auch in Österreich, die selber nicht wohlhabend sind und doch die Überlebenden der Schiffsbrüche retten, helfen, mit ihnen teilen.

Konkret im Alltag teilen, aufnehmen, begleiten und politisch handeln: Das eine und das andere ist notwendig.

Viele kleine Unterkünfte, das wäre möglich und für alle eine „Bereicherung“. Ich kenne soviele Menschen, die dazu bereit sind. Die meisten von uns brauchen ohnehin nicht Angst vor dem Verhungern zu haben! Es gibt viele kleine Initiativen, über die jeder im Internet oder auch durch zufällige Gespräche sich informieren kann. Es geht darum, diese untereinander bekannt zu machen und zu vernetzen, um die schwierige rechtliche Situation, u.a., miteinander zu bewältigen.

Sicher habt ihr schon die Initiative „Gegen Unrecht - stoppen wir das Massensterben im Mittelmeer!“ von der Caritas Österreich wahrgenommen. Bitte macht weiter mit!
www.gegen-unrecht.at

Noch einige konkrete Worte zu unseren Asylwerbern: Nach Christella aus Burundi hat jetzt auch Mohammed aus Somalia den Status „Subsidär Schutzberechtigter“
bekommen und darf zunächst einmal für ein Jahr bleiben. Aziz aus Somalia hatte am 16. Juni 2015 nach vier Jahren endlich sein Interview, und darf ebenfalls auf eine Aufenthaltsberechtigung hoffen. Fahad (Somalia) und Augustine (Nigeria) haben schon Termine für Interviews. Bitte denkt an sie! Danke!

Colette Brun

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ANGEBOTE IM HAUS

Offene Tanzabende

Kreis- und Gruppentänze

TANZE – soviel du tanzen kannst,
TANZE – um Begeisterung für’s Leben wieder zu finden,
TANZE – um deine Seele zu erwecken, wenn sie schläft,
TANZE – um zu hoffen, zu vertrauen, zu glauben,zu lieben, zu heilen.

aktuelle Termine: Mittwoch, 19 bis 21 Uhr
siehe Kalender...

Leitung:
Hedi Mislik
ChoRa Kreistanzleiterin, Tanz- und Ausdruckspädagogin

Keine Anmeldung notwendig!

Beitrag: freiwillige Spende


WANDERUNGEN

Markusweg

Markusweg

Gemeinsame Begehung des Markusweges

auf Anfrage möglich
Mai bis September 2019

Wenn es unter den Gästen im Haus Interesse an einer gemeinsamen Begehung des Markuksweges gibt, wird jemand vom Haus diesen Weg begleiten.
Wenn jemand von auswärts dazukommen möchte, bitten wir um Anfrage, ob an diesem Samstag tatsächlich gegangen wird.

Nähere Informationen:
Haus der Stille Tel: +43 (0)3135 / 82625

Nach Vereinbarung stehen wir für Gruppen als BegleiterInnen für den Markus- und Ermutigungsweg zur Verfügung!


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