A-8081 Heiligenkreuz a. W., Friedensplatz 1, Tel: +43 (0)3135/82625

Friedensraum

Friedensraum

Schon seit langem spüren wir den Auftrag, unsere Aktivitäten in Richtung „Frieden“ zu verstärken: Durch die politische und auch kirchliche Situation sind wir heute noch mehr herausgefordert, Toleranz einzuüben, sodass mehr Frieden im Kleinen und im Großen möglich wird. Das „Friedenszeichen der großen Religionen der Welt“ ist schon so eine Mahnung. Nun wurde ein Zimmer eingerichtet, das vor allem der Friedensarbeit gewidmet ist. Dieser Impuls dient der Bereicherung für alle Besucher, die aus nah und fern zu uns kommen. Wir hoffen, dass dadurch einige Menschen mehr sich mit der Frage des Friedens auseinandersetzen. Der Friedensraum umfasst die Themen: Friedensarbeit, Gerechtigkeit, Interreligiöser Dialog usw. Es soll eine Vernetzung der Informationen verschiedenster Aktivitäten in den oben angegebenen Themenschwerpunkten geben (Versöhnungsbund, Pax Christi, Amnesty, CSI, Friedensforum, Burg Schlaining usw.).

Eröffnung des Friedensraumes


Am Sonntag, 09. November 2008 fand der Gedenkakt mit Gottesdienst und anschließender Segnung des Friedensraumes statt. Die Predigt wurde von Dr. Hildegard Goss-Mayr gehalten, die auch im Anschluss an die Agape, zu einem gemeinsamen Gespräch einlud.
Frau Goss-Mayr wurde 1930 in Wien geboren und erlebte die „dämonischen Kräfte des Bösen“ in Gestalt des Nazi-Regimes, was ihr späteres Friedensengagement wesentlich beeinflusste. Zusammen mit ihrem Mann Jean Goss (gest. 1991) widmete sie ihr Leben ganz dem Dienst versöhnender Friedensarbeit im Geist der Bergpredigt. Sie veröffentlichte mehrere Bücher (z.B. „Wie Feinde Freunde werden“) und erhielt für ihre weltweite Tätigkeit mehrere Friedenspreise.

Während der Feier wurde der, vom Künstler Thomas Resetarits geschaffene, neue 7-armige Leuchter als „Friedensleuchter“ entzündet.

Der neue Friedensraum wird in den kommenden drei Jahren von Mag. Dieter Kurz betreut. Seit seiner Pensionierung als Gymnasiallehrer 2002 arbeitet er im Vorstand des Internationalen Versöhnungsbundes (Sektion Österreich) und in der steirischen Pax-Christi-Gruppe mit.

Der Raum beinhaltet:
  • Eine kleine Friedensbibliothek
  • Große Pinnwand für aktuelle Veranstaltungen
  • Diverse Projektständer für Grundsatzinformationen und aktuelle Veranstaltungen
  • Gratisexemplare von diversen Zeitschriften
  • Ständer für Unterschriftenlisten
  • Geplant ist auch, eine Sammlung von Friedensliedern u.ä. anzulegen und zur Einsicht aufzulegen.

Friedensraum im Haus der Stille
ein Bericht von Hans Waltersdorfer


In Gegenwart von Dr. Hildegard Goss-Mayr wurde am 9. November 2008, dem Gedenktag an das Judenpogrom von 1938, im Haus der Stille in Heiligenkreuz am Waasen ein Friedensraum eröffnet. Dieser Raum dient der Vernetzung von Informationen über verschiedene Friedensinitiativen und ihre Arbeit (Pax Christi, Versöhnungsbund, Friedensforum, Friedensburg Schlaining, Amnesty International, CSI…) und will nach dem 2007 errichteten „Friedenszeichen der Religionen“ ein weiterer Impuls für alle Besucher im Haus der Stille zu Toleranz, Dialog und Versöhnung sein. Der Raum ist jederzeit öffentlich zugänglich und beinhaltet auch eine kleine Bibliothek mit Literatur zum Thema.

Beim Gottesdienst in der dicht gefüllten Franziskuskirche im Haus der Stille verwies Dr. Hildegard Goss-Mayr auf das Wort und Beispiel Jesu. In der Bergpredigt überwinde Jesus das Freund-Feind-Denken und zeige auf, dass die Trennungslinie zwischen Gut und Böse nicht zwischen Nationen oder zwischen einzelnen Menschen verläuft, sondern mitten durch jede und jeden von uns. „Das Freund-Feind-Denken ist durch Jesus, durch seine Botschaft in der Bergpredigt überwunden. Und deshalb weisen wir, so weit wir es vermögen, in unserem Leben Gewalt zurück, den Krieg, den Kriegsdienst, die Ausgrenzung, den Fremdenhass, die Ausbeutung, die Bereicherung auf Kosten anderer, die Dialogverweigerung.“ Im Geist Jesu sei es vielmehr, Türen zu öffnen, Mauern abzubauen, den Dialog zu beginnen und allem Unrecht in der Kraft der Wahrheit, der Liebe und der Gewaltfreiheit zu widerstehen. Die „Rüstung“ dafür: „Die Wahrheit sprechen, Einsatz für Gerechtigkeit im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich und Gebet - das heißt, das Wissen, dass nicht ich handle, sondern dass Gott durch mich handelt. Das bedeutet Risiko, das bedeutet das Kreuz, das bedeutet vielleicht, seine Stellung zu verlieren, nicht so leicht aufzusteigen.“

Im anschließenden Gespräch mit ca. 50 interessierten Gästen betonte die 78-jährige Friedensaktivistin die Wichtigkeit der aktiven Friedenserziehung der Kinder und Jugendlichen, die nicht früh genug beginnen könne (schon die vorgeburtliche Erfahrung des Angenommenseins sein lebensprägend) und auch in den Lehrplan der Schulen aufgenommen werden sollte. Frankreich arbeite bereits an einem entsprechenden Modell. Und wir dürften nicht müde werden, unsere Politiker in die Verantwortung zu nehmen: Wieviel Geld gibt Österreich aus für Rüstung, für die Stützung von Banken oder für Erziehung, für Friedensarbeit, für Soziales…? Sie ging auch auf die Frage ein, wozu sie Gott für ihr Engagement brauche: Ja, es gäbe Menschen und Gruppierungen, die aus reinem Humanismus in die gleiche Richtung unterwegs seien und mit denen der Versöhnungsbund auch zusammenargbeite. Doch sie hätte erkannt, dass die eigenen Kräfte dazu nicht ausreichen, die Haltung der Gewaltfreiheit als Lebenshaltung zu entfalten. Die Umkehr und grundlegende Veränderung unserer Haltung, die dazu notwendig sei, brauche eine Kraft, die wir im Versöhnungsweg Jesu entdecken könnten.

Hildegard Goss-Mayr, geboren 1930, hatte als Kind die „dämonischen Kräfte des Bösen“ in Gestalt des Nazi-Regimes kennen gelernt, was ihr späteres Leben wesentlich beeinflusste. Gemeinsam mit ihrem Mann Jean Goss (+ 1991) stellte sie, inspiriert von der Botschaft der Gewaltfreiheit in der Bergpredigt Jesu, ihr Leben in den Dienst versöhnender Friedensarbeit. Beheimatet im Internationalen Versöhnungsbund wirkte sie in vielen Ländern der Erde an gewaltfreien Konfliktlösungen mit, so z.B. an der „Rosenkranzrevolution“ auf den Philippinen, die 1986 zum Sturz des Marcos-Regimes führte, und an der Ablösung der Militärregierung in Brasilien, wo sie für ihr Eintreten gegen Folter und die Ermordung Unschuldiger auch selber im Gefängnis saß. Das Ehepaar Goss-Mayr beeinflusste auch die Konzilsväter bei ihren Aussagen in der Konstitution über die Kirche in der Welt von heute („Gaudium et Spes“) über die Ächtung des Krieges, die Verpflichtung zur Friedenserziehung und die Anerkennung von Kriegsdienstverweigerern und wurde ein Wegbereiter für die Alternativmöglichkeit des Zivildienstes. Für ihr umfassendes Friedensengagement wurde Hilde Goss-Mayr mit mehreren internationalen Friedenspreisen ausgezeichnet.

Ansprache beim Franziskusgottesdienst am 9. November 2008 zur Bergpredigt


Schrifttexte: Lesung: Eph 6,14-18 Evangelium: Mt 5,38-48 Dr. Hildegard Goss-Mayr

Es ist gut und tröstlich, an dem Tag der Erinnerung an das Novemberpogrom 1938, an dem wir Österreicher schuldhaft beteiligt waren, und das uns mit Scham und Reue erfüllt, ein entschiedenes Zeichen für Menschenwürde und Achtung, für Versöhnung und Wirken am Frieden zu setzen, indem wir uns neu zu einer Annäherung, zu Leben und Handeln aus dem Geist der Bergpredigt verpflichten, einen Friedensraum eröffnen und segnen.

Für mich persönlich wurde die Bergpredigt zum Schlüssel für ein lebenslanges Friedens-engagement. Wegen dem Einsatz meines Vaters für die Verständigung zwischen Deutschland und Polen wurde unsere Familie in der Nazizeit verfolgt; ich erlebte dies und den 2. Weltkrieg als Kind und junger Mensch. Diese Erlebnisse führten mich in eine tiefe Krise: wie kannst Du leben, so fragte ich mich, wenn die Mensch sich gegenseitig wie Wölfe verhalten...Nur langsam fand ich in der Botschaft Jesu die Antwort, dass es eine Kraft gibt, die stärker ist als Haß und Gewalt; ich fand sie in der Bergpredigt.

Die Bergpredigt ist Gottes Liebesgeschenk an die Menschheit. Sie enthüllt uns seine Sicht, seinen Willen für erfülltes, versöhntes Leben für jeden von uns, für die Gemeinschaft der Menschen. Sie ist Einladung und Appell, am Reich Gottes in der Welt hier und heute mitzubauen, eine Zelle dieses Reiches aufzurichten; sie ist im Grunde verflichtend für jeden Menschen, der auf den Namen Jesu getauft ist. Aus dem umfassenden Gesamtbild der Botschaft Jesu kann ich nur zwei, jedoch wesentliche Aspekte hervorheben:

Die Wiederherstellung der zerbrochenen Einheit der Menschheit
„Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“. Jesus zeigt uns auf, dass die Tennungslinie zwischen Gut und Böse nicht zwischen Menschen, Gruppen, Nationen verläuft, sondern durch jeden von uns, durch jede Nation geht. Gottes unvergleichliche Liebe, sein Geist ist durch die Schöpfung in jedem Menschen gegenwärtig und durch Christus erneuert. Jeden Menschen liebt Gott bis zur Hingabe seiner Selbst. Wir sind EINS in seiner Liebe, aber auch EINS in Schuld, Verfehlung u. Heilsbedürftigkeit.

Den Genger, den Anderen mit den Augen Gottes zu sehen, bedeutet, ihn als Geliebten Gottes zu erkennen, ihn in unabdingbarer Weise zu achten, zu schützen, ihn aus Unrecht – als Täter oder/und Opfer – zu befreien. Das Freund-Feind-Denken ist überwunden; Gewalt gegenüber den Andern, in welcher Form immer, müssen wir zurückweisen: Rüstung, Kriegsdienst, Fremdenhaß, versklavende Arbeit, Bereicherung auf Kosten anderer, Ausbeutung, Hunger, Armut... Statt dessen: Mauern abbauen, Dialog ermöglichen, Tore öffnen, Vergeben...

Zweite Perspektive: Unrecht existiert in unserer Welt. Dieses Unrecht gilt es zu überwinden. Jesus zeigt uns den radikal neuen Weg der Überwindung von Unrecht durch die Kraft der Gewaltfreiheit, durch die sich für den Andern einsetzende , hinschenkende Liebe auf.

Was bedeutet das Hinhalten der anderen Wange? Jesus spricht aus der Lage der Schwachen, der Untergebenen. Ihre Meister schlugen sie zur Bestrafung mit dem Rücken der rechten Hand ins Gesicht, auf die rechte Wange. Wenn einer dich so schlägt ,sagt ihnen Jesus, dann sei nicht feig, lauf nicht davon, zahl auch nicht mit gleichen Mitteln, mit Gegengewalt, zurück, sondern richte dich auf, halte aus der Kraft der Wahrheit und im Einsatz für Gerechtigkeit die andere Wange hin, d.h. Widerstehe aus der Kraft der Wahrheit, der Gerechtigkeit. Jesus verwirklicht während seines Prozesses selbst diese befreiende Alternative. Der Knecht des Hohen Priesters schlägt ihn. Er antwortet:“ Warum schlägst du mich; habe ich Unrecht gesprochen, dann beweise es“. Und der Angriff auf sein Gewissen: warum gehorchst du einem ungerechten Befehl? Verweigere, werde ein neuer Mensch.

Es geht also darum, das Böse, das Unrecht an seiner Wurzen im Gewissen und Herzen des Überltäters zu überwinden: Es geht um eine doppelte Befreiung: um die Befreiung des Opfers, das die in ihm angelegte Kraft der Gewaltfreiheit entdeckt und im Ringen um neues Leben einsetzt, und um die Befreiung des Täters, um ihn/sie herauszuholen aus der ungerechten Haltung. So kann größere Gerechtigkeit aufgerichtet, Versöhnung möglich werden.

Paulus zeigt uns auf, aus welcher Kraft, mit welcher Rüstung wir uns gewaltfrei einzusetzen vermögen: Die Wahrheit sprechen, bezeugen; Gerechtigkeit fordern – sie ist Grundlage für Frieden in der Gesellschaft, in menschlichen Beziehungen d.h. riskieren, Zivilcourage üben! bereit sein, Konsequenzen freiwillig auf uns zu nehmen ( das Kreuz!), um eine gerechtere,friedvolle Situation zu erreichen (vom Kreuz zur Aufersteheung): eine Zelle des Reiches Gottes zu erbauen: Friedenskraft, FriedensdienerIn zu sein. Und dazu im Gebet sich Gott ganz anvertrauen, damit seine befreiende, heilende Kraft durch uns wirksam wird. Aus dieser Sicht und dieser Kraft habe ich mein Leben in den Dienst des Friedens gestellt.

Hiezu ein kleines Beispiel aus Lubumbashi, Dem.Rep. Kongo.
Seit 1989 besteht die gewaltfreie Gruppe GANVE (Groupe d'Action Non-Violente Evangélique) in der zweitgrößten Stadt des Kongo, unter der Diktatur von Präsident Mobutu durch meinen Mann, Jean Goss, gegründet. Seit 20 Jahren engagiert sie sich gegen ethnischen Haß und Ausbeutung, schafft Alternativen zur Bewältigung von Hunger und Armut. Während des Krieges Ende der 90er-Jahre, der mehre Millionen Opfer forderte und bei dem es, wie bei den neuerlichen Kämpfen im Osten des Kongo heute, um die Kontrolle über die reichen Bodenschätze ( Gold, Diamanten, Coltan..) geht, wurden die Lehrer der öffentlichen Schulen nicht mehr bezahlt. Einer Untersuchung von GANVE zufolge, konnten 70% der Kinder, vor allem der Armen, nicht mehr die Schule besuchen, da die Eltern das Schulgeld nicht aufzubringen vermögen. Die Frauen von GANVE mobilisierten 4 Jahre hindurch die Bevölkerung im Kampf um die Bezahlung der LehrerInnen:durch Gespräche, Straßentheater, Flugbläter. Als die Unterrichtsministerin nach Lubumbashi kam, veranstalteten sie einen Marsch, um dieser ein Manifest über die Situation zu übergeben. Der Marsch von Hunderten Frauen wurde verboten , von der Polizei angehalten, Frauen geschlagen und verhaftet. Einigen gelang es trotzdem, das Manifest zu überreichen. Die Verhafteten begannen sofort das Gespräch mit den Polizisten: Ihr wollt doch auch, dass eure Kinder kostenlos die Schule besuchen können, so wie das Gesetz es vorschreibt. Stellt euch auf unsere Seite! Schließlich erkannte der Polizeikomandant die gerechten Forderungen der Frauen und setzte sich für deren Freilassung ein. Der Marsch erregte großesAufsehen und Druck im ganzen Land, so dass letztlich die Ministerin die UNESCO um Hilfe bat und für ein Jahr Unterstützung für das Schulgeld erhielt. Es war nur ein Teilerfolg. Doch die Frauen waren stolz und ermutigt, die Wirkkraft des Zeugnisses für Wahrheit und Gerechtigkeit erfahren zu haben. Ihr Ansehen und ihre Würde erreichte eine neue Stufe in der Gesellschaft.


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7-armiger „Friedensleuchter“

P. Karl Maderner entzündet den 7-armigen „Friedensleuchter“.


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Dr. Hildegard Goss-Mayr

Dr. Hildegard Goss-Mayr hielt eine sehr bewegende Predigt.


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Die dicht gefüllte Franziskuskirche

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Agape

Nach dem Gottesdienst und der Segnung des Friedensraumes gab es eine Agape. Alle waren herzlich eingeladen, sich an dem reichlich gedeckten Buffet zu laben.


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Gemeinsames Gespräch mit Dr. Hildegard Goss-Mayr

Im Anschluss an die Agape lud Frau Dr. Hildegard Goss-Mayr zum gemeinsames Gespräch im Vortragsraum ein.


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Mag. Dieter Kurz, P. Karl Maderner, Dr. Hildegard Goss-Mayr

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P. Karl Maderner & Dr. Hildegard Goss-Mayr

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