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Impulse aus dem Haus der Stille


Solange wir wegen der aktuellen Maßnahmen für den Schutz vor dem Coronavirus nicht als Gastgeber für dich da sein können, wollen wir dich mit täglichen Impulsen auf dieser Seite an den Gebetszeiten unserer Hausgemeinschaft teilhaben lassen und dich so durch diese Zeit begleiten.
Aktuelle Bilder aus unserem Haus und Garten werden die Texte und Gebete ergänzen.

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Montag, 3. August 2020

Montag, 3. August 2020

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?


Predigt von Sascha Heinze SAC am Sonntag, 2. August 2020, unserem ersten öffentlichen Gottesdienst seit 15. März

Freitag 13. März 2020. Ich war auf dem Weg nach Salzburg, und wir hatten via WhatsApp entschieden, dass auf Vorschlag des Bischofs auch der Gottesdienst am kommenden Sonntag schon ausfällt, denn am darauffolgenden Montag trat der Lockdown in Kraft. Das Herunterfahren unserer gesamten Gesellschaft wurde veranlasst.
Eine unwirkliche Zeit erfasste uns alle. Aus dem Haus nur zum Einkaufen, zum Arzt oder zum Spazierengehen. Und das nur mit einer Person, die im selben Haushalt lebt. Menschen erkrankten, Menschen starben, hier bei uns, noch mehr in anderen Ländern. Eine Pandemie hatte fast unser ganzes Leben erfasst.
Die Unwirklichkeit der Situation erfasste mich und manchen von uns. Unsicherheit und Ängste machten sich breit. Was wird diese Zeit bedeuten, wie viele Menschen werden erkranken oder gar sterben?

Wir hier im Haus der Stille versuchten, nach anfänglicher Ratlosigkeit, unser gemeinschaftliches Leben am Laufen zu halten und für das Haus der Stille das Nötigste zu regeln. Hier gilt mein Dank an dieser Stelle besonders dir, Marion, und auch dir, Klaus, die ihr viel Gutes in die Wege geleitet habt.
Wir feierten in kleiner Runde die Karwoche und die Ostertage. Eine neue, eigene, aber auch wertvolle Erfahrung. Hans hat jeden Tag einen Impuls auf unserer Homepage veröffentlicht, damit wir so, mit den uns verbundenen Menschen ein wenig in Kontakt bleiben konnten. Auch dir, Hans, Danke dafür.

Eine eigentümliche Zeit also, die bis heute andauert. Auch hier in diesem Gottesdienst: Abstand halten, Maske tragen, Kontakte vermeiden.
In diese Situation hinein hören wir heute den Satz des Paulus an die Gemeinde in Rom:
„Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?“
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? So frage ich mich und uns.
- die Corona Pandemie oder Angst und Unsicherheit?
- die Erfahrung dieser Krankheit?
- die Begegnung mit dem Tod eines mir bekannten Menschen?
- die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen?
- die Kurzarbeit, oder die Arbeitslosigkeit, die mich oder meine Familie betrifft?
- die Nachrichten über diese Krankheit aus der ganzen Welt?
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?
Eine Frage, die Frage des Paulus, die ich mir und uns mitgeben möchte.
Paulus scheint tief geprägt und bewegt von der Erfahrung der Liebe Christi.

Er schreibt weiter: „Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.“
Ich weiß nicht, ob auch du das so sagen kannst. Denn diese Zeit hat Menschen, und vielleicht auch manchen unter uns, erschüttert.
Am Freitag las ich in der Süddeutschen Zeitung einen Bericht über die Corona Erfahrungen der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Einer der Fratres, Frater Richard fragt, warum die Amtskirche in dieser Krise so sprachlos ist. „Wo seid ihr denn? Wo ist sie, die Kirche?“ fragt er.
Manche positive oder auch negative Erfahrung mit unseren Kirchen in dieser Zeit wird sich bei den Menschen einprägen. Ich war in den ersten Wochen des Lockdowns bei der „Du bist nicht allein“-Hotline der Diözese tätig. Es riefen Menschen an, die mit ihrer Situation überfordert, verunsichert oder alleine waren. Es war, und ist weiter wichtig, dass wir unsere Erschütterungen, Verunsicherungen, Enttäuschungen und Ängste zulassen. Dass wir die Fragen zulassen, die uns bewegen. Nicht nur in Bezug auf die Pandemie, sondern alles, was uns in unserem Leben bewegt.

Hier wieder einen Raum bieten zu können, dafür freuen wir uns, nun wieder öffnen zu können. Damit wir, und damit ihr, damit suchende und fragende Menschen einen Ort haben, an dem sie mit ihren Fragen und mit ihrem Suchen sein und bleiben können.
„Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten:
Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!“

Wir hier werden auch in Zukunft versuchen, das zu geben was wir haben: „Fünf Brote und zwei Fische!“ Diese Geschichte zeigt uns, dass wir in unserem Alltag nicht ängstlich sein sollen. Wir haben oft nur „fünf Brote und zwei Fische“. Wir sind aufgerufen, das zu geben, was wir haben. Und, so hören wir es heute, es wird genug sein.

In der Zeit des Lockdowns haben uns viele Aktionen von Menschen überrascht. Einkaufsdienste für ältere Menschen, Balkonkonzerte, Gesprächsangebote für Einsame oder Verunsicherte. Die sonst viel geschmähten sozialen Netzwerke waren auf einmal das Kontaktmedium schlechthin. Auch hier wurde aus wenig viel. Viel an Möglichkeiten der Begegnung. Denn erst, wenn wir von unseren Ängsten Abstand nehmen, erst wenn wir uns in die „Hingabe“ trauen, erst dann wird die Weite unseres Lebens spürbar und erlebbar.
In der Hingabe können wir die Liebe Christi erahnen und erfahren, denn hier stellt sich die Herausforderung ein. Sehe ich von mir weg, dann sehe ich die Not, die Möglichkeiten, oder ich verschließe mich in mich selber und bleibe in mir gefangen.

Ich hoffe, wir alle können in dieser Zeit der Pandemie Erfahrungen machen, die uns die Liebe Christi erfahrbar machen, damit auch wir sagen können:
„Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“


(Sascha Heinze SAC)


Gebet in der Corona-Krise

Herr, du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung aller Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

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