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Nimm dir Zeit für dich


Impulse aus dem Haus der Stille


Im ersten Corona-Lockdown im Frühling 2020 haben wir begonnen, zunächst mit täglichen, im zweiten Lockdown dann mit wöchentlichen Impulsen, an unserem geistlichen Leben während der Schließzeiten teilhaben zu lassen.

Nun, da das Haus wieder für Gäste und Kurse geöffnet ist, wollen wir diese Reihe mit wöchentlichen Gedanken zu den Sonntagslesungen weiterführen.


Sonntag, 24. September 2021

Sonntag, 24. September 2021

Geretteter Glaube


Die Menschen, von denen am Beginn des heutigen Evangeliums berichtet wird, verhalten sich ein wenig wie die Bewunderer eines Gurus oder eines Idols.
Sie kleben an ihm und wollen in seiner Gegenwart nicht gestört werden,
als da einer dazwischenruft und ihre Anhänglichkeit an Jesus stört.
Bartimäus ruft: „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen“, heißt es dort. Er aber schreit noch viel lauter, Jesus bleibt stehen und sagt: „Ruft ihn her!“ Jetzt rufen sie den Blinden her und sagen: „Hab nur Mut, stehe auf, er ruft dich!“

Weil Jesus ihn wahrnimmt, weil Jesus ihn ruft, schwenken die Menschen um und nehmen die Haltung Jesu auf. Sie haben noch keine eigene Haltung gefunden, sie sind noch zu sehr mit der Aufnahme der Botschaft Jesu beschäftigt, hoffen von ihm Heil und Haltung zu lernen, noch überwiegt die Bewunderung. Er gibt ihnen dann ein Beispiel seiner Haltung einem konkreten Menschen gegenüber. Da ist einer, ein Bettler, Bartimäus, und er ist blind. Er weiß, was er möchte, er kennt seine Not. Er ist nicht einfach ein Bewunderer und ein Schwärmer für diesen Jesus aus Nazaret. Er möchte wieder sehen können, er hat ein existentielles Anliegen. Und genau darauf spricht Jesus ihn an. „Was willst du, dass ich dir tue?“
Dies ist eine entscheidende Frage in jedem Begleitgespräch: „Was willst du, dass ich dir tue?“ “Was brauchen Sie von mir?“ Hier wird klargemacht, dass es nicht um puren und unreflektierten Altruismus geht. Jesus handelt nicht überschwänglich aus einem Helfersyndrom heraus, weil er froh ist, dass endlich einer etwas von ihm möchte und er jemanden heilen kann. Der blinde Bartimäus soll sich genau überlegen, was er möchte, und soll es aussprechen, was er von Jesus möchte.

Jesus möchte seine Eigenverantwortung und seine Eigenwahrnehmung fördern.
Dafür führt er mit Bartimäus diesen kleinen beschriebenen Dialog, der beide Positionen deutlich macht und so zur Klarheit führt. Der Blinde muss spüren, was wer möchte, was ihm fehlt, damit er ein Bewusstsein für seine Situation finden kann.
Jesu möchte ihn mit sich selber in Kontakt bringen, damit er spürt, was er braucht.
Jesus heit ihn nicht direkt. Er sagt. “Geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“
Jesus hat seine Heilkraft, hat seinen Glauben bestärkt und bestätigt. So konnte er wieder sehen.

„Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“, sagt eine alte Weisheit. Selbsterkenntnis, das Bewusstsein für den eigenen Glauben, das Gespür für mich selber. Verschiedene Komponenten, die aber alle eines beinhalten: zu lernen und zu spüren, wer ich bin. Selbstbewusstsein für mich zu entwickeln, nicht alles abgeben zu wollen, nicht die Verantwortung für mich abgeben zu wollen an Jesus, den ich bewundere. Wie die Menschen, die mit Jesus gehen und ihm noch nach dem Mund reden, weil sie noch keine eigene Meinung und kein Selbstbewusstsein für sich als mündige Gläubige entwickelt haben. Diese, für den Blinden vielleicht überraschende Botschaft, dass sein Gaube ihn gerettet hat, und er nicht durch „Fremdeinwirkung“ geheilt wurde, hat diesen Glauben an sich vielleicht gestärkt.

Was ihm geholfen hat, ist die vielleicht spontane Handlung, dass er, als Jesus ihn ruft, den Mantel wegwirft, aufspringt und auf Jesus zuläuft. Er lässt spontan los, was ihn hindert, seinem Anliegen Ausdruck zu verleihen. Er ist voller Hoffnung, voller Glauben, dass die Begegnung mit Jesus ihm Heilung bringt, dass er alles andere vergisst.

Diese Haltung schenkt ihm Freiheit und Durchlässigkeit für das, was er im Innersten möchte: „Rabbúni, (Meister), ich möchte sehen können.“ Diese Freiheit, dieser Glaube hat ihm Heilung gebracht, so dass er im „gleichen Augenblick sehen konnte“ und dass er Jesus auf seinem Weg folgen konnte. Es hielt ihn nichts mehr zurück.
Er war ungebunden und frei, weil er das erfahren durfte, was seine Sehnsucht war. Sehen zu können. Wenn wir es erfahren, wenn wir erfüllt sind von dem, was unsere Sehnsucht ausmacht, wenn diese gestillt und geheilt ist, dann sind wir frei. Frei, in Freiheit unseren Weg auch in der Nachfolge Jesu zu gehen. Dann hängen wir nicht mehr an Jesus, so wie Teenager an ihrem Idol hängen. Sondern wir haben einen „geretteten Glauben“ erfahren und dadurch Selbstbewusstsein erlangt. Ein Selbstbewusstsein, das uns unseren Weg gehen lässt. Diese Weisheit möchte uns diese Geschichte heute mitgeben.

Sascha Heinze SAC


Die Versuchung, sich groß zu machen


Die Versuchung, sich groß zu machen und sich auf die prädestinierten Plätze setzen zu wollen, ist zu allen Zeiten und in allen Schichten der Gesellschaft groß. Groß sein zu wollen um des Großseins willen, groß sein zu wollen, um das eigene Ego zu stärken, groß sein zu wollen, um sich mächtiger zu fühlen. Jesus weist dieses Ansinnen der beiden Jünger entschieden zurück und versucht sie mit seiner Argumentation an die Realität anzubinden.

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